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Tübinger Bürgerfest 21.07.2007 - Keine Nazis in Tübingen

28.Juli 2007 by Matt

10 000 Bürger auf dem Fest, 4000 Gegendemonstranten vor dem Bahnhof, 1500 Polizisten, 250 Nazis, 4 kurzfristige Festnahmen und kaum Sachbeschädigungen. Das sind die Zahlen des Auftrittes der JN (Unterorganisation der NPD), die letzten Samstag vor dem Tübinger Bahnhof demonstrieren durfte.Zunächst hatte die Stadt Tübingen den Aufmarsch des NPD-Nachwuchses wegen “Sicherheitsbedenken” verboten. Das Verwaltungsgericht Sigmaringen ließ nach einem von den JN gestellten Eilantrag gegen das Versammlungsverbot die Veranstaltung jedoch unter Auflagen zu. So durften die Nazis beispielsweise keine Springerstiefel tragen und nur auf einer Strecke von insgesamt 500 Metern marschieren. Dagegen wurden allerdings sämtliche der 20 Gegendemonstrationen vom Tübinger Ordnungsamt genemigt. Die Stadt veranstaltete ein Bürgerfest unter dem Motto “Vielfalt statt Einfalt”, bei dem über 80 einzelne Veranstaltungen in Form von Kundgebungen, Vorträgen, Konzerten und Infoständen geboten wurden und das etwa 10 000 Bürger besuchten.

Verglichen damit viel die “Demonstration” der Jung-Nazis in Tübingen lächerlich klein aus. Linke Demonstranten und die Polizei sorgten dafür, dass die JN kaum aus den Zügen und gerade mal bis kurz vor den Bahnhof kamen. Das hatte zur Folge, dass einige von ihnen eine spontane Zweit-Demo in Hechingen starteten und einige im Zug nach Reutlingen und Balingen fuhren, wo sie auf beiden Bahnhöfen jedoch schon von der Polizei erwartet, eingekesselt und in die Kastenwägen verfrachtet wurden.

Von der linken Seite wurde der Verdacht geäußert, der “Aufmarsch” in Hechingen sei Teil der Deeskalations-Taktit der Polizei gewesen, was angesichts des zeitgleichen Einrückens einer Einheit in das (linksautonome) Wohnprojekt Schellingstraße und dort erfolgende Festnahmen nicht unwahrscheinlich ist. Man hinderte die Gegendemonstranten ganz offenbar daran, sich organisiert nach Hechingen zu bewegen, um den Nazis dort zu begegnen. Dies äußerte Tobias Kaphegyi, Sprecher der DGB-AK Tübingen, gegenüber dem freien Radio Wüste Welle. Ob dieses Vorgehen legitim ist, bleibt dahingestellt, effektiv ist es objektiv betrachtet allemal. Bedenkt man, dass der Polizeieinsatz (übrigens der größte, den Tübingen je gesehen hat) fast eine halbe Million Euro gekostet hat, erscheint es gleich weniger schlimm, dass 4000 Linksautonome nur teilweise zu ihrem Recht gekommen sind. Geld gespart hätte man auch, hätte man die rechten Idioten einfach laufen lassen und sie ignoriert (so geschehen in Cottbus, wo die Straßen leer blieben, die Geschäfte geschlossen und die Nazis noch dümmer schauten als ohnehin). Aber dann hätt’s ja auch kein schönes Bürgerfest gegeben…

Material zur Demo

Quellen:
Stuttgarter Zeitung
Schwäbisches Tagblatt

Hintergrundinformationen:
Indymedia
WüsteWelle-Interview mit Tobias Kaphegyi

Visuelles:
Bilder der Demo (privat)
Bilder bei Indymedia

privates Video der Demo
private Videos der Demo
RTF-Nachrichten

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