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Tübinger Wassermusik 2007: Ein ganz besonderes Erlebnis

31.Juli 2007 by Matt

Ein klassisches Konzert unter freiem Himmel, auf einem riesigen Floß aus Stocherkähnen auf dem abendlichen Neckar - ein wirklich besonderes Erlebnis.

Wassermusik 2007
Das Floß beginnt sich zu formieren.

Eine Institution, ein Ritual oder ein Kulturhighlight nennt die Presse das alljährlich vom Tübinger Club Voltaire organisierte Konzert am “Lands End” Tübingens (hinter dem Casino) bei dem auch dieses Jahr zum sechstenmal ein ganz besonders stimmungsvolles Erlebnis geschaffen wurde. Vor zwei Jahren fiel die musikalische Soirée völlig ins Wasser, diesmal hatte man mehr Glück. Zwar wurde es auf dem Neckar bei einsetzender Dunkelheit doch etwas frisch, blieb von oben her aber trocken.

Eine ganz andere Konzert-Atmosphäre

Für den durschnittlichen Besucher klassischer Konzerte bietet die Tübinger Wassermusik einiges an Besonderheiten: Wann kann man während einer Aufführung schon mal essen und trinken oder gar rauchen? Selten wird ein Ensemble zudem elektrisch verstärkt. Doch letzteres ist auf dem Neckar ebenso nötig, wie ersteres angenehm ist, und tut dem klanglichen Erlebnis keineswegs Abbruch.

Überhaupt ist die Tübinger Wassermusik ein Erlebnis nicht nur klanglicher Natur. Eine ganz besondere Atmosphäre umfängt die Landspitze, die Wasserfläche des Neckars und all die geankerten Stocherkähne, die zusammen ein einziges riesiges Floß zu bilden scheinen, auf dem die Menschen gemeinsam in friedlicher Stimmung der Musik lauschen. Als die Dämmerung einsetzt, werden die uralten Kastanien auf der Insel in warmen Farbtönen beleuchtet, die Kähne zünden ihre Lampions und überall brennen kleine Lichter und Kerzen.

Ein ganz besonderes Erlebnis

Dann beginnt das Ensemble Divertissement aus Tübingens russischer Partnerstadt Petrosawodsk zu spielen und zu den ersten Tönen von Johann Pachelbels berühmtem Kanon in D treiben die Kähne sanft auf den leisen Wogen. Ich schaue umher und sehe lächelnde Gesichter überall, einige schließen die Augen, manche haben es sich in ihren Kähnen liegend bequem gemacht. Die Strömung treibt die Boote ganz langsam auseinander und sacht wieder zusammen, alles scheint in ruhiger Bewegung. Doch das große Floß hält zusammen, vereint in der friedlichen Atmosphäre des Abends.

Soweit man blicken kann, sieht man ruhige entspannte Menschen mit freundlichen Minen. Niemand scheint zu sprechen, alle hören zu. Und plötzlich wird mir bewusst, dass in diesem Moment alle dasselbe hören: In all diesen Köpfen geschieht gerade ähnliches, jeder hört dieselben Klänge, sieht denselben Abendhimmel. Und all diese Gesichter zeigen dieselbe Ergriffenheit und Freude. Das Lächeln dieser Menschen spiegelt sich in meinem eigenen, als ich mir vorstelle, wie dieser wortlose Moment der Zufriedenheit uns alle verbindet. Die einzelnen Kähne vereinen sich zu einem einzigen großen Floß, so wie Pachelbels Variationen sich harmonisch zum Kanon fügen, miteinander und gegeneinander treibend in langsamer dynamischer Bewegung. - Und all das fügt sich in Kopfhöhe über dem Wasser zum Ganzen; im Geiste der Menschen, der, so verschieden sie alle sein mögen, in diesem Moment doch einer ist.

Eine ganz besondere Beigabe

Der ungewöhnlichen Stimmung eines Konzertes auf dem Wasser trug nicht zuletzt der Auftritt des Tanztheaters Treibhaus bei. Mit ihrer surreal anmutenden Performance waren sie bereits bei der ersten Tübinger Kulturnacht eine große Attraktion. Fast unmerklich und leicht zu übersehen wie eine Geistererscheinung in der Dämmerung zieht der Kahn zu einer Sinfonia von Vivaldi vorüber. Kühles bläuliches Licht aus dem Inneren des Bootes beleuchtet die in weiße Gewänder gehüllten Gestalten. Langsam und gleichmäßig berühren die Enden langer Stöcke die Wasseroberfläche, bevor sie wieder aufgerichtet werden und die Bewegung von neuem beginnt. Und bevor man begreifen kann, was man hier sieht, verliert sich die Erscheinung schon in der Ferne.

Tanztheater Treibhaus
Geistererscheinung auf dem nächtlichen Neckar: Tanztheater Treibhaus.

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2 Responses

  1. Cornelia Hack

    Kurz vor der siebten Tübinger Wassermusik habe ich diesen Artikel samt Bild entdeckt und mich darüber gefreut! Erstens ist es wunderschön beschrieben und zweitens kann ich so als ehrenamtliche Helferin (Landplatz) diese Stimmung schnuppern wenn die Menschen auf den Kähnen friedlich geniessen was lange und intensive Planung und Vorbereitungs- arbeiten möglich machen. Schön fände ich, wenn hier der Veranstalter “Club Voltaire” (Idee, Konzept und Ausführung von Ralf Wenzel) erscheinen könnte, denn ohne diesen unbeschreiblichen Einsatz wäre diese Veranstaltung nicht machbar. “Kultur vom Feinsten” wie meistens nicht wirklich honoriert und somit wenigstens Ehre, wem Ehre gebürt. So long und bis vielleicht zur Siebten!?

  2. Matt

    Vielen Dank für das positive Feedback.
    Link zum Club Voltaire jetzt am Anfang des Artikels - und Ehre wem Ehre gebührt, Dank und Lob an Ralf Wenzel!

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