…everything’s falling into shape.

Größte Buddhastatue der Welt

19.September 2007 by Matt

In Nordindien soll die größte Buddha-Statue der Welt entstehen. Nach buddhistischer Vorstellung ein Projekt, das allen lebenden Wesen größten Nutzen bringt. Die Regierung des Bundesstaates hat, zumindest auf dem Papier, das Land bereits erworben - doch ein kleines gallisches Dorf leistet erbitterten Widerstand…

Größte Buddhastatue der Welt - Maitreya ProjectGeboren ist er in Lumbini, zum vollkommenen Erwachen gelangte er in Bodhgaya, im Wildpark zu Sarnath hielt er seine erste Rede - in Kushinagar ging er vor 2500 Jahren ins Parinirvana ein, starb und wurde eingeäschert: Siddharta Gautama, der Buddha.

Ihm zu Ehren wurde an seinem Geburtsort Lumbini ein großer Park mit Klöstern und Stupas gebaut, in Sarnath steht ebenfalls ein Stupa, in Bodhgaya eine große Anlage mit vielen Tempeln, und ganz ähnlich sieht es in Kushinagar aus. Doch die letzte Verweilstätte des Buddha, heute eine der vier wichtigsten Pilgerziele für Buddhisten aus aller Welt, will sich künftig mit einem im Wortsinne herausragenden Bauwerk hervorheben: Im indischen Kushinagar im Bundesstaat Uttar Pradesh soll die höchste Buddhastatue der Welt gebaut werden. Mit 152 Metern wäre sie etwa dreimal so hoch wie die Freiheitsstatue (ohne Sockel) und damit das höchste Denkmal weltweit. 250 Millionen Dollar soll die Statue kosten, die von Parks, Tempeln und 100.000 Stupas umgeben sein wird. Internationale Architekten entwerfen sie so, dass sie 1000 Jahre bestehen kann.

Doch das ehrgeizige “Maitreya Project“, das von einigen spirituellen Größen des tibetischen Buddhismus (FPMT) initiiert wurde, von internationalen Partnern realisiert wird und durch Spenden finanziert weden soll, stößt nicht nur auf begeisterte Zustimmung. Zwar soll das Projekt neben dem spirituellen Nutzen auch wirtschaftliche Vorteile für die Region bringen (Tourismus) und die lokale Bevölkerung unterstützen - so ist beispielsweise der Bau eines Krankenhauses und der Ausbau einer Schule geplant, in der die Schüler schon heute kostenlose Schulbildung erhalten. Doch, wie es fast zu erwarten war, hat dies alles auch seinen Preis. Und den trägt zunächst die ländliche Bevölkerung der nahen Umgebung: Was die Homepage des Maitreya-Projektes nicht erwähnt, ist die notwendige Umsiedlung von mindestens 15.000 Menschen aus insgesamt sieben Dörfern, die bisher jene 283 Hektar fruchtbaren Landes bewohnten und bewirtschafteten, auf denen der Park entstehen soll (Artikel hierzu bei Spiegel-Online).

Die Bauern protestieren gegen den Bau der Anlage, einige sind bereits in den Hungerstreik getreten und manche sind willens, ihr Land mit dem Leben zu verteidigen, falls es nötig sein sollte. Den langfristigen Nutzen, den sich die Regierung des Bundesstaates von der Umsetzung des Großprojektes verpricht, können die Bauern nicht sehen. Zwar erhalten sie eine Abfindung für die Aufgabe ihrer Äcker, doch die fällt erwartungsgemäß niedrig aus.

Widersprüchlich und nahezu zynisch mutet die Motivation für den Bau der Riesenstatue aus der Perspektive der unterprivilegierten Dorfbevölkerung an: “Liebevolle Güte” bedeutet der Begriff “Maitri” im Sanksrit, von dem sich der Name des Buddha Maitreya ableitet, der (v.a. nach der tibetischen Kosmologie) der Buddha des kommenden glücklichen Zeitalters sein wird. Das Maitreya-Projekt werde “Herzensgüte in die Tat umsetzen”, heißt es auf der Homepage des Projektes. Von dieser Herzensgüte werden viele Menschen allerdings zuerst einmal nichts spüren. Doch auch ohne dass man einen bestimmten Standpunkt einnimmt, liegt die Ambivalenz des Projektes auf der Hand. Gegensätze prallen hier nicht nur bezüglich der unterschiedlichen Interessengruppen aufeinander: Das “ehrgeizigste architektonische Projekt der Welt” (BBC) wird 7000 Tonnen Stahl, 120.000 Quadratmeter Bronze und über hundert Millionen Dollar verschlingen - und das in einem der ärmsten, technologisch unterentwickeltsten Gebiete Indiens.

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2 Responses

  1. Attila de Bajtsy

    Sehr geehrter Schreiber des Artikels,
    Zum Einen finde ich es sehr schön, dass Sie sich offenbar die Zeit genommen haben und sich mit dem Bau der Buddhastatue auseinandergesetzt haben.

    Die Erstellung, Planung, Mitwirkung beim Bau, Verehrung, Säuberung der Statue oder deren Unmfeld, die Zur-verfügungstellung von Grund, oder Bau-Material, die Beherbergung und Verpflegung der Bauarbeiter, der Anbau der Nahrung für die Bauarbeiter, später für die Mönche und Pilger, etc. sind unendlich segensbringend für jeden, der daran beteiligt ist!

    Soviel zur Kritik an der “Vertreibung” der Bauern und die Wegnahme von Baugrund von diesen selben. Es erübrigt sich da mit anderen Argumenten aufwarten zu wollen.

    Nicht Überheblichkeit und Arroganz den Betroffenen gegenüber motiviert mich, dies zu schreiben, sondern die in Aussicht stehenden Segnungen für die Betroffenen möchte ich anführen.

    Von der gewerblichen “Nutzung” des projektes ganz zu Schweigen. Nicht auszudenken, welch weitschweifende Ausmasse die Arbeitsplatzschaffung in der Zukunft für dieses Projekt zu erwarten ist.

    Ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen ein paar der unzähligen positiven Aspekte des Baus dieser Staue näherbringen konnte.

    Mit herzlichen Grüssen

    Attila de Bajtsy

  2. Matt

    Lieber Herr Bajtsy,
    Sie haben natürlich recht. Auf spiritueller Ebene ist alles, was mit dem Bau der Statue zu tun hat segensbringend - und ich würde mich in letzter Konsequenz niemals gegen den Bau einer solchen Statue aussprechen. Dennoch möchte ich Kritik äußern, denn argumentieren lässt sich in gegebenem Fall zwar zum einen mit spirituellen Argumenten als zum anderen mit real lebensweltlichen. Da hilft es auch nichts, “Vertreibung” in Anführungszeichen zu setzen. Selbst aus buddhistischer ethischer Sicht - also unter karmischen Gesichtspunkten - ließe sich das Projekt in diesem Askpekt kritisieren. Nichts desto trotz bin ich wie sie überzeugt vom Nutzen, das es bringen wird und sehr gespannt, wie sich dort in Kushinagar alles entwickelt…

    Vielen Dank für das Lesen und kommentieren dieses Artikels,
    Ihr Matthias Lehr

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